Vergangene SITUATION

SITUATION #86: Romain Maders Ekaterina – Streitgespräch um eine künstlerische Fiktion

14.06.2017, 16–17 Uhr

LISTE Art Fair Basel

aus Ekaterina, 2012 © Romain Mader

Im März dieses Jahres hat der Schweizer Künstler Romain Mader für seine Arbeit Ekaterina (2012) den international renommierten Foam Paul Huf Award für Nachwuchsfotografie erhalten. Die Fotoserie zeigt Mader auf seiner Reise in ein fiktionales, nur von hübschen Frauen bevölkertes ukrainisches Dorf namens „Ekaterina“, auf der Suche nach der Frau fürs Leben. Die Jury lobte Maders Ekaterina für seinen „lustigen, naiven, absurden, unbeschwerten“ Umgang mit ernsthaften Themen (Sextourismus, Liebe, Einsamkeit), deren satirische Inszenierung den „tölpelhaften und achtlosen westlichen Europäer“ vorführe. 50 Unterzeichnende einer Petition (vor allem Kunst- und Kulturschaffende aus Weissrussland und der Ukraine) verurteilen Maders Arbeit hingegen als stereotypisch und sexistisch. Der westliche (männliche und weisse) Blick, der Sexismus und Frauenfeindlichkeit verhärte, wird dabei ebenso kritisiert wie die Naivität und Ignoranz gegenüber komplexen ökonomischen und politischen Realitäten der post-sowjetischen Region.

Die Gesprächsrunde bringt erstmals den Künstler, seine Kritiker_innen und Befürworter_innen an einen Tisch, um die Kontroverse um Ekaterina gemeinsam zu diskutieren. Ästhetische Strategien, Fragen nach Stereotypisierung und Ausbeutung, Repräsentationspolitiken und institutionelle Bewertung werden am Beispiel von Ekaterina und im Lichte aktueller Tendenzen im künstlerischen Diskurs diskutiert. Welche Verantwortung müssen wir – als Künstler_innen, Jurys, Kurator_innen und Institutionen – in der sich stark verändernden politischen, kulturellen, künstlerischen und medialen Landschaft im Umgang mit Bildern übernehmen?

Es diskutieren:
Simon Baker, Kurator für Fotografie und Internationale Kunst, Tate Modern, London

Olga Bubich, Assistenzprofessorin am Institut für Journalismus an der Weissrusssischen Staatsuniversität, Minsk, Initiatorin der „Petition to reconsider the results of The Foam Paul Huf Award 2017“

Romain Mader, Künstler und Gewinner des Foam Paul Huf Award 2017

Nadine Wietlisbach, Direktorin/Kuratorin Photoforum Pasquart, Biel/Bienne

Moderiert von Doris Gassert, Research Curator Fotomuseum Winterthur

Das Gespräch findet auf Englisch statt.
Ort: LISTE Art Fair Basel, in der Druckwerkstatt
Datum: Mittwoch, 14. Juni 2017, 16–17 Uhr


Jury-Statement: foam.org/talent/foam-paul-huf-award

Petition: change.org/p/foam-huf-award-petition-to-reconsider-the-results-of-the-foam-huf-award-2017

Antwort der Jury: itsnicethat.com/news/foam-responds-to-petition-against-paul-huf-winner-romain-mader-240317

Lesia Prokopenko, „Not For Everyone: Locating the 2017 Paul Huf Award“: not-for-everyone-locating-the-foam-paul-huf-award-2017

Liza Premiyak, „Ekaterina: does Romain Mader’s satire on sex tourism in Ukraine do more harm than good?“: calvertjournal.com/opinion/show/8026/ekaterina-romain-mader-foam-paul-huf-award-sexist-stereotypes

Anton Shebetko, „Marry Me, Ekaterina: The Story Behind Romain Mader’s Controversial Project about Ukraine“: birdinflight.com/inspiration/project/20170331-romain-mader-ekaterina-foam-paul-huf-interview.html

Olga Bubich, „We are responsible for those who we photograph: Instagram and New Media Ethics" (auf Russisch): journalby.com/news/my-v-otvete-za-teh-kogo-snyali-instagram-i-novaya-mediynaya-etika-970

Olga Bubich, „I am Ekaterina! And I am outraged!" (auf Russisch): colta.ru/articles/art/14333

Mit freundlicher Unterstützung der Art Mentor Foundation Lucerne.

Cluster: Faktisch