Nan Goldin
Self-portrait in bed with Siobhan, NYC
Self-portrait in bed with Siobhan, NYC, 1990
Cibachrome, 69.5 x 101.5 cm
Sammlung Fotomuseum Winterthur, Schenkung Andreas Reinhart
1999-008-017
*1953 (Washington, US), lebt und arbeitet in New York, US
Nan Goldins Fotografien erzählen von zwischenmenschlicher Verbundenheit, von Freund_innenschaft, Liebe und Sexualität und zugleich von Gewalt, Trauer und Verlust. Mit empathischem und zugleich schonungslosem Blick hielt sie ab den 1970er-Jahren Personen aus ihrem Freund_innen- und Bekanntenkreis, aber auch sich selbst immer wieder in intimen und vulnerablen Momenten fest. Zu den wiederkehrenden Protagonist_innen ihres Werks gehören enge Vertraute wie der Fotograf David Armstrong oder die Schauspielerin und Schriftstellerin Cookie Mueller, die 1989 an den Folgen ihrer AIDS-Erkrankung verstarb. Ihre Aufnahmen, die sich häufig durch intensive Farben und hartes Blitzlicht auszeichnen, arrangierte die Fotografin zu narrativen Sequenzen, die sie in Form von Diashows mit musikalischer Untermalung präsentierte. Eine solche bildete auch den Ausgangspunkt für ihre bekannteste Arbeit, The Ballad of Sexual Dependency, die 1986 als Buch veröffentlicht wurde. In ihrer autobiografischen Dokumentation des Privaten und Intimen verhandelt Nan Goldin zugleich Themen von zeitgeschichtlicher und gesellschaftlicher Relevanz, wie die Lebenswirklichkeit queerer und genderfluider Menschen, die HIV-Epidemie der 1980er-Jahre oder die Opioid-Krise der 1990er-Jahre. Gemeinsam mit Mark Morrisroe, Philip-Lorca diCorcia und anderen wird Nan Goldin der informellen Boston School of Photography zugerechnet.
Depot-Dienstag – Fokus auf die dokumentarisch-erzählerische Fotografie
Der erste Zyklus der Depotführung behandelte die dokumentarisch-erzählerischen Fotografien Nan Goldins (*1953) aus den 1980er-Jahren. Das Fotomuseum Winterthur besitzt rund 100 Cibachrome, zum grossen Teil Porträtaufnahmen, der US-amerikanischen Fotokünstlerin. Dieses sogenannte Silberfarbstoffbleichverfahren wurde ab 1964 für die Herstellung von Filmdias auf Fotopapier verwendet und 2011 eingestellt. Das Erscheinungsbild von Cibachromen ist einzigartig, weshalb sie bei Fotokünstler_innen sehr beliebt waren.
Doch was genau zeichnen Cibachrome als «einzigartig» aus? Welche Herausforderungen stellen sie für das Fotomuseum Winterthur dar? Was gilt es bei der Konservierung zu beachten? Im Vergleich werden auch weitere Farbfotografieverfahren anderer Künstler_innen, z.B. Joel Sternfeld (*1944) und William Eggleston (*1939), sowie auch Schwarzweiss-Porträtaufnahmen weiterer Zeitgenoss*innen Goldins, wie etwa Peter Hujar (1934–1987), gezeigt.
Ebenso wird die Geschichte der Sammlungswerke besprochen: Wie sind Nan Goldins Fotografien in die Sammlung des Fotomuseum Winterthur gekommen? Wie sind ihre Werke fotohistorisch einzuordnen und was haben diese mit der Modefotografie aus den 1990er-Jahren zu tun? All diese Fragen und viele mehr werden in der Depot-Dienstag-Führung von der Sammlungskuratorin, Patrizia Munforte, und der Art Handling, Andrea Hadem, im Sammlungsdepot des Fotomuseum Winterthur beantwortet.




