Vergangene SITUATION

SITUATION #51: Tabita Rezaire, Ass4Sale, 2014

17.09.–27.11.2016

Fotomuseum Winterthur

Ass4Sale, 2014 , Filmstill, HD-Video, 20:50 Min., 2014 © Tabita Rezaire
Ass4Sale, 2014 , Filmstill, HD-Video, 20:50 Min., 2014 © Tabita Rezaire

Im Zentrum von Tabita Rezaires künstlerischer Auseinandersetzung steht die Befragung von Geschlechternormen, sexueller Identität und Rassismus. Gesellschaftliche Machtverhältnisse sind eng an die Politiken des Bildes geknüpft und schreiben sich auch in die Architektur des Internets und die Online-Kultur ein. Rezaires Online- und Video-Arbeiten sind starke politische und aktivistische Statements, die das Internet und dessen Werkzeuge zum Zweck des Widerspruchs und Widerstands einsetzen und damit den Bildschirm quasi gegen sich selbst wenden. Dekonstruiert und hinterfragt werden dabei u.a. die westliche Vorherrschaft, die rassistischen Ideologien weisser Überlegenheit und die Repräsentationspolitiken im Netz.

Ass4Sale dreht sich um das Phänomen des „Twerking“, eine Tanzform, die in der westlichen Kultur seit der unkritischen Appropriation von Miley Cyrus im Jahr 2013 zunehmend populär geworden ist. Rezaire legt die Mechanismen kultureller Aneignung offen, die das „Twerking“ seiner afrikanischen Wurzeln und Kultur beraubt haben. Als traditionelles Fruchtbarkeitsritual ist das „Twerking“ eng mit dem schwarzen weiblichen Körper verknüpft; assimiliert und als Mainstream-Phänomen und Warenfetisch verbreitet, wird es aus dem Zusammenhang von Fragen bezüglich Ethnie, Gender, Privileg und Besitztum herausgelöst. Damit offenbart sich eine rassistische Doppelmoral, wenn die Praxis des „Twerking“, die im Kontext schwarzer Kultur als „ghetto“ und übersexualisiert gilt, einmal übernommen und assimiliert zum modischen Trend wird – und damit Mythen über die Sexualität schwarzer Frauen weitergetragen und verfestigt werden.


Mehr von Tabita Rezaire: tabitarezaire.com

Eine Kooperation mit den 20. Internationalen Kurzfilmtagen Winterthur.

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