Sonja Braas

Sonja Braas
*1968 in Siegen; lebt in New York
Die Künstlerin setzt uns dem Tosen der Natur aus. Die Mehrheit ihrer Bilder aus ‹Forces› zeigt wilde Naturschauspiele, mit Wasser, Schnee, Steinen. Alles scheint in Bewegung zu sein oder aber erstarrt, erfroren, mit Eis und Schnee überzogen. Wir sehen keinen Horizont: Unser Blick fällt direkt in die (Ausnahme-)Zustände hinein, ohne dass wir wissen, wo, wann, wie uns geschieht, ohne einen Ruhepunkt zu finden. Wir scheinen dieser ‹Natur› ausweglos ausgeliefert zu sein, wobei Sonja Braas ein Repräsentations-Spiel mit uns spielt: Es bleibt unklar, welches Bild in der Welt draussen, in der wirklichen Natur aufgenommen wurde und welches konstruiert ist, welche ‹Natur› im Studio generiert wurde. Sonja Braas stellt die beiden ‹Naturen› unverfroren nebeneinander, setzt damit nicht nur die Natur, sondern auch deren Bild, die Vorstellung von Natur in Bewegung. Erosion im Bild und vor dem Bild. Dieser Vorgang schafft mehrfach beunruhigende Momente. Je feiner die Unterschiede zwischen Natur und ‹Natur› ausfallen, desto ähnlicher ist das Gefühl beim Betrachten der unterschiedlichen Wirklichkeiten. Wir sind mitten in gewaltigen Naturmächten drin, im Nebel, in der Gischt, im Undurchdringlichen. Mit kleinen Ausnahmen spielen die Bilder jedoch nicht das Spiel der deutschen Romantik, wo die Seele sich dehnt und melancholisch an der Zerrissenheit, der Entfernung vom grossen Ganzen leidet. Vielmehr sind wir bei Sonja Braas Ausgelieferte, mit dem Floss mitten auf dem Ozean eines Géricault, in einer tobenden, tosenden, reissenden See, den Kräften, Mächten, Erosionen, dem Einbruch der ‹Natur› ausgesetzt.