Hannes Rickli

Hannes Rickli
*1959 in Bern; lebt in Zürich
Hannes Rickli haben immer Parallelen der Erkenntnis- und Wahrheitsfindung in Kunst und Wissenschaft interessiert. Seine Installation “Spurenkugel”, aus der diese Fotografien stammen, ähnelt zwar einer wissenschaftlichen Vorrichtung zur Erzeugung gesicherter Wahrheiten, aber sie entpuppt sich als ironisches Spiel mit der Prädisposition. Hannes Rickli beschreibt seine Rauminstallation selbst: "Im abgedunkelten Raum dreht sich eine Kunststoffkugel (...) langsam um eine stabile Achse. Gesteuert werden die Motorenbewegungen von einem Computer. Besucher lösen durch Unterbrechung von Lichtschranken im Raum einen Trudelprozess der Kugel aus, indem der Zufallsgenerator jetzt die Parameter für die Drehrichtung, die Geschwindigkeit sowie die alternierende Versorgung der Motoren mit Strom ständig neu errechnet. (...) Die Kugel ist mit Graphit beschichtet und zeichnet ihre Bewegungen durch Reibung und Schleifen der drei Auflagepunkte auf die eigene Oberfläche. (...) Diesen Prozess kann man in der simultanen Grossprojektion mit verfolgen." Methodisch scheint hier das umgekehrte Verfahren zu Fischli Weiss am Werk zu sein: Es wird scheinbar mit der grossen Kelle angerichtet, wird ein Technopark in Betrieb gesetzt, der stärker einer wissenschaftlichen Versuchsanordnung denn einer künstlerischen Arbeit gleicht. Doch das stimmt so nicht: Weder sind die Geräte auf dem letzten Stand der Entwicklung, noch verlässt die Installation den mit Scotch-Bändern verklebten Stand der Improvisation. Ricklis „Schreibspiel“ genannte Installation ähnelt stark einer wissenschaftlichen Vorrichtung zur Erzeugung gesicherter Wahrheiten. Das wirkliche Erproben der Erkenntnismöglichkeiten wandelt sich aber zum ironischen Spiel mit der Prädisposition. Was bleibt sind Einsichten in die Relativität – und verführerisch schöne 'Planeten'-Bilder!